commune survivor


2017-08-23

Überall breitete sich Chaos aus. In der Werkstatt stellten die Leute (ja, es gab typische Kandidaten) sofar in den Laufgängen Zeug ab. Angefangene Werkstücke, die nie fertig wurden, Gebrauchtmaterial, das man irgendwann brauchen könne - aber es einzuordnen war zu mühsam, und hätte an Zeitaufwand den Materialwert überstiegen.

Die Küche ging noch, weil sie ständig benutzt wurde, weil der Spüldienst aufräumte und vor Allem: Eine Frau nahm sich jede Woche 2 h Zeit, um zu sortieren. Einige hatten noch nie einen Haushalt geführt, waren also noch nie in der Situation gewesen, dass ihre eigene Unordnung zur Lähmung, zu lange Suche führt.

Die Werkstatt brauchte 4 Anläufe, 4 Leute, denen es zu dumm wurde, um betretbar zu werden. Ob beschildert, ob nur grob eingeteilt: Stets setzte sich das Chaos durch. Ich versuchte, per Beschriftung, Verkündung und täglichen Aufräumen wenigstens die Werkbank freizuhalten: Nicht möglich.


Der Musikraum

Mangels Benutzung wurde beschlossen, dass der Musikraum geräumt und anders benutzt wird. Der Schlagzeuger räumte einfach nicht, und so blieb es ein ungenutzter Raum, zwar im Parterre, aber beheizbar. Manchmal schliefen Freunde des Schlagzeugers auf dem Sofa oder hingelegten Matrazen, vielleicht war das das Motiv: Ein heimliches Gästezimmer, welches nicht über die ausgehängte Liste verwaltet wurde. Diese hätte eine Vorrausplanung erfordert, die nicht möglich war für die Person.

Der Wasserverbrauch

Zum (einmaligen) Kieswaschen für die Aquaponik brauchte ich fliessendes Wasser, was auf Kritik stiess. Der wesentlich höhere Verbrauch der Gärtnerei zur Bewässerung geriet nicht in die Kritik, ein deutliches Beispiel, wie in einer Kommune doch nicht alle gleich sind. Dabei ist Aquaponik an sich eine wassersparende Technologie, die in trockenen Regionen wie Ägypten, Israel oder Australien zur Geltung kommt. Der grosse Wasserverbrauch in DE oder Spanien geht nur durch Subventionen. Solche Gedanken gab es natürlich in einer Ökokommune - nicht aber für das eigenes Gemüse. } Ich sitze inn der Bäckerei und lasse die Zeit vergehen. Die Leere ist schmerzlich über mich hereingebrochen, manchmal fühlt es sich so an, als ich kurz vor einem Heulkrampf stünde. Der nächste Urlaub wird bestimmt nicht mehr so eine lonely-street-movie-Tour. Einerseits schätze ich nun meinen Alltag mit Zeit online usw., andererseits ist die Suche nach einem Lebensinn wieder stark {